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Beziehungstipps von der Scheidungsanwältin

Beziehungstipps von der Scheidungsanwältin

11.02.2019. 13:10
(Kommentare: 3)

Vor einiger Zeit habe ich im SZ-Magazin einen sehr interessanten Text gelesen. Im Interview kommt Helene Klaar, knapp 70 und erfolgreiche Anwältin für Familienrecht aus Wien zu Wort. Sie spricht darüber, warum Ehen aus ihrer Sicht am häufigsten scheitern und findet unter anderem: „Man kann nicht 40 Stunden arbeiten und daneben einen Haushalt führen und die Kinder unterhalten.“ Und auch ihre Kollegin Ines Daun, Scheidungsanwältin aus Nürnberg, hat ein Buch mit Beziehungstipps veröffentlicht. Sie findet: „Den richtigen Mann kann frau erst finden, wenn sie von sich weiß, was sie wirklich will.“  

Kinder als Trennungsgrund?

Die Aussagen von Helene Klaar sind sehr offen und direkt. Ihre Meinung: „Der häufigste Scheidungsgrund ist das zweite Kind. Mit einem Kind lässt sich der Status noch aufrechterhalten. Mit dem zweiten Kind tritt der permanente Ausnahmezustand ein.“  Ja, das mag sein. Meine Erfahrung deckt sich damit aber nicht komplett, denn sowohl ich als auch die meisten meiner getrennten Freundinnen und Freunde haben nur ein Kind. Es liegt also nicht immer am zweiten Kind, Frau Klaar.

Treffender finde ich ihre Antwort auf die Frage, woran genau es denn liegt, was die gegenseitigen Anschuldigungen und Hintergründe sind. Die Scheidungsexpertin sagt: „Kein Sex am Nachmittag. Kein ungestörtes Essen mehr. Keine Gespräche mehr über Literatur und Theater.“ Und weiter unten: „Ich bin überzeugt, dass die 40-Stunden-Woche viel dazu beiträgt, dass die Menschen unzufrieden sind. Man kann nicht 40 Stunden arbeiten und daneben einen Haushalt führen und die Kinder unterhalten.“ Ja, da hat sie wohl recht. Wenn beide Vollzeit arbeiten, fällt irgendetwas hinten runter. Der Haushalt. Die Kinder. Oder eben die Ehe.

Warum schaffen es manche Paare trotzdem?

Helene Klaar kennt den Ehealltag mit zwei Kindern: „Man ist am Abend müde und geschafft, kocht das Nötigste und lässt die Unordnung Unordnung sein. Wer das nicht aushält, sondern aufräumt und bügelt, ist danach zu müde für Sex. Das ist, als würde man versuchen, einen Tisch mit einem zu kleinen Tischtuch zu bedecken. Irgendwo ist immer eine nackerte Stelle.“

Wir wollen meistens alles, aber alles geht eben oft nicht. Und doch: manche Paare schaffen es trotzdem. Ein Paar zu bleiben, obwohl zwei kleine Kinder da sind.

Ich erinnere mich noch gut an die Aussage einer Freundin, ihr und mein Kind  waren damals etwas ein knappes Jahr alt. Sie sagte: „Ja, bei uns ist es gerade schwierig in der Beziehung. Aber mein Mann und ich wissen, dass wir jetzt einfach als Paar mal die Füße stillhalten müssen. Dass es jetzt eben so ist mit einem kleinen Kind. Und wir wissen, dass irgendwann auch wieder bessere Zeiten für uns kommen.“

Wenn die innere Verbundenheit da ist, wenn sonst vieles und vor allem Grundlegendes passt in der Beziehung, dann kann und wird das Abenteuer Familie klappen. Auch wenn es oft unordentlich ist in der Wohnung. Und beide abends müde und vom langen Tag gestresst sind.

Die Werbung gaukelt uns was vor

Bei der Wiener Scheidungsanwältin und ihrem Mann hat es übrigens auch funktioniert. Helene Klaar sagt im Interview: „Wir haben nie geglaubt, dass uns das pure Glück erwartet. Wir haben nicht an die Fernsehwerbung geglaubt, die einem vormacht, wenn man den Kindern nur die richtige Windel umschnallt, tanzen sie Cancan, schreien nie, und man kann wunderbar kochen und hübsch sein und aufregenden Sex haben.“

Mir fällt gerade auf, dass die Anwältin das Thema Sex auffallend häufig erwähnt. Das nur mal so nebenbei :)

Insgesamt finde ich viele Aussagen der Scheidungsanwältin wirklich interessant, zum Beispiel wenn sie sagt: „Ich bekenne mich dazu, nicht der Meinung zu sein, dass nur eine Ehe erhaltenswert ist, die perfekt glücklich ist. Ich wehre mehr Scheidungen ab, als ich aktiv betreibe.“

Kann ein Ehevertrag die Beziehung retten?

Auch zum Thema „Ehevertrag“ vertritt Helene Klaar eine eindeutige Meinung. Sie rät davon ab. „Denn die schließt man, bevor man heiratet. Der schlechteste Zeitpunkt. (…) Die meisten Eheverträge werden auf Wunsch des gut verdienenden Mannes geschlossen und sind Verzichtserklärungen von Frauen.“

Ines Daun ist in diesem Punkt anderer Meinung. Sie ist ebenfalls Anwältin für Familienrecht und erklärt in ihrem Buch „Lieber lange lieben“, das 2018 bei Eden Books erschienen ist, wie man die eigene Beziehung lebendig hält. Die Nürnbergerin rät darin Frischverlobten: „Setzt euch mal an einen Ehevertrag, ob ihr den wirklich einplant oder nicht. Beim konkreten Gespräch über die gegenseitigen Verpflichtungen für gute und schlechte Zeiten erfährt man einiges über den Partner – und auch über sich selbst.“

Zum Beispiel: Wie wichtig ist dem anderen die gegenseitige finanzielle Absicherung? Oder hat er vor allem seine eigene im Blick? Ist es für ihn selbstverständlich, für mich und unsere Kinder im Trennungsfall zu zahlen? Oder sagt er schon jetzt im Ehe-Vorgespräch: „Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Und wenn du mich eines Tages verlassen solltest, mache ich dich fertig.“

Viele Frauen stolpern unüberlegt in die Ehe – zumindest in Bezug auf ihre Rechte

„Wenn die Liebe das Ehevertrags-Gespräch übersteht, hat man gute Karten für eine langfristige gemeinsame Zukunft“, findet Scheidungsanwältin Ines Daun, die sich jedesmal heimlich denkt „Kundschaft!“, wenn sie ein frischvermähltes Hochzeitspaar in einer laut hupenden Auto-Kolonne erblickt.

Ihre Erfahrung: Viele Frauen informieren sich nicht genügend und sichern sich nicht ausreichend ab vor ihrer Entscheidung für die Ehe – und haben bei einer Trennung dann oft das Nachsehen. „Den richtigen Mann kann frau erst finden, wenn sie von sich weiß, was sie wirklich will.“ Und wenn einer schon beim ersten Date die meiste Zeit des Abends über seine Ex-Frau lästert – lieber gleich Finger weg.

Bild: JMG/pixelio.de

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Kommentar von Silke Wildner |

Ein sehr guter Blogbeitrag über die Risiken einer Ehe. Leider stecken Frauen immer noch in der Romantikfalle fest und denken, dass sie mit der Eheschließung am Ende ihrer Ziele und Träume angekommen sind. Dabei ist jetzt noch lange nicht Schluß. Absicherung, Rente und "wie teilen wir den Haushalt und die Kindererziehung auf", sind im Ehehafen irgendwie nicht so wichtig. Lieber wird das große Glück für alles Ewigkeit auf Fotopapier gebannt.

Ja und was dann? Dann kommt der Alltag, die Probleme und plötzlich ist das große Eheglück nicht mehr so wichtig, wie die Frage nach der Altersabsicherung, wenn man die meiste Erziehungsarbeit übernimmt. Denn in den meisten Fällen verdienen Männer einfach mehr. Der Gender Pay Gap verschärft die Situation noch. Und so ist es keine Einzelfallentscheidung, dass Frau da ein Nachsehen hat und als Geringerverdiener daheim bleibt.

Spätestens jetzt muss mit dem Partner geredet werden. Denn der Traum vom großen Familienglück kann auch ganz plötzlich platzen. Mir selbst ist es passiert. Und ja - es war bei uns das 2. Kind. Und was dann? Vorbei ist es mit der internen Verrechnung von Zeiten und Ansprüchen. Also lieber vorher reden, als ein Nachsehen haben.

Wie man eine Trennung mit Kind verarbeiten kann, findest du auf meinem Blog Gut alleinerziehend https://gut-alleinerziehend.de/familie/trennung-2-0-wie-trennt-man-sich-als-paar-mit-kind/

Alleinerziehend sein ist eine Lebensumstellung, aber keine Sackgasse und schon gar nicht das Ende der Welt ;) . Alleinerziehende sind auch nicht automatisch arm. Du kannst dein Leben jetzt wieder selbst in die Hand nehmen, entrümpeln und nach deinen Vorstellungen gestalten. Für ein gutes Leben als Alleinerziehende, denn es ist unser Leben.
Ganz liebe Grüße
Silke

Antwort von Christina Rinkl

Liebe Silke,

vielen Dank für deinen ausführlichen und persönlichen Kommentar.

Ich habe mir deinen Text gerade durchgelesen und er hat mich sehr bewegt. Du hast eine Trennung im Wochenbett durchmachen müssen. Du hattest euer Neugeborenes im Arm - und dein Partner hat sich gerade zu diesem Zeitpunkt entschieden, zu gehen.

Bewundernswert, dass du jetzt so positiv nach vorne blickst und vielen anderen Eltern mit deinem Blog Mut machst und Stärke gibst.

Du bist eine tolle Frau.

Besonders gefällt mir dein Satz: "Du kannst dein Leben jetzt wieder selbst in die Hand nehmen, entrümpeln und nach deinen Vorstellungen gestalten." Genau so ist es. 

Fühl dich gedrückt.

Christina

Kommentar von Sarah |

Liebe Christina,

ich finde auch: ein sehr interessanter, gut und humorvoll geschriebener Artikel!

Mich hat gerade die Aussage berührt: bei 40h Arbeit muss irgendetwas „hinten runter fallen“: der Haushalt, die Kinder - oder eben die Ehe.

Manchmal denke ich sogar, mein Ex-Partner und ich hätten uns nicht getrennt, wenn wir nicht mit Kleinkind, beide berufstätig und ohne unterstützendes Netzwerk, ständig emotional und auch physisch „am Limit“ gewesen wären. Wir haben aus der Trennung beide gelernt und vermeiden jetzt, als „nur noch Eltern“, viele der früheren Hürden.

Interessanterweise gelingt uns das tatsächlich jetzt besser als noch als Paar, als wir einige der (romantischen) Erwartungen, die du im Text nennst, teilten und einander oft situationsbedingt nicht erfüllen konnten!...

Danke für diesen anregenden Blogbeitrag!:-)

Lieben Gruß, Sarah

Antwort von Christina Rinkl

Danke dir liebe Sarah für deinen Kommentar und deine netten Worte zum Artikel.

Ich freue mich sehr für dich, dass es dir und deinem Ex-Partner heute so gut gelingt, Eltern zu sein - obwohl es die Paar-Ebene nicht mehr gibt. Das ist unheimlich viel Wert und das ist nicht selbsverständlich.

Euer Kind wird davon sehr profitieren, denn es besteht aus beiden Elternteilen und liebt immer beide.

Herzliche Grüße,

Christina

Kommentar von Rabenvater |

https://www.rtl.de/cms/rabenvater-zahlt-keinen-unterhalt-obwohl-er-muesste-4299142.html

Bitte addieren Sie 2 und 5.

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von Christina Rinkl (Kommentare: 1)

Ja, das gibt es tatsächlich. Vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal einen Trennungsgottesdienst in einer katholischen Kirche besucht. In der Wort-Gottes-Feier mit dem Titel „Verlassen – Getrennt – Geschieden“ ging es um die Themen Chaos der Gefühle, Ausgrenzung, Schuld, Dankbarkeit und den Blick nach vorne. Es war ein sehr bewegender und persönlicher Abend in kleiner Runde. Hier lest ihr meinen Bericht und die nächsten Termine für alle Interessierten:

von Christina Rinkl (Kommentare: 0)

Jede Trennung ist anders. Und trotzdem haben viele Geschichten vieles gemeinsam. Hier berichtet Isabell (alle Namen geändert), wie es bei ihr war. Sie hat ein Mädchen (4) und einen Jungen (9) und ist seit drei Jahren getrennt erziehend. Als ihr Mann sie wegen einer anderen Frau verließ, stürzte ihre Welt zusammen. Heute versteht sie sich gut mit ihrem Ex-Mann. Wie beide das hingekriegt haben, lest ihr hier:

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