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Vater sein – 700 Kilometer entfernt von den Kindern

Vater sein – 700 Kilometer entfernt von den Kindern

22.11.2018. 21:51
(Kommentare: 0)

Mit Mitte 20 habe ich mich verliebt. In eine Frau aus Bayern. Sie wohnte knapp 700 Kilometer weit weg von mir. Ich wollte, dass unsere Beziehung Bestand hat und bin damals zu ihr gezogen, denn sie wollte nicht weg aus ihrer Heimat. Zehn Jahre haben wir gemeinsam im bayrischen Wald gelebt, haben geheiratet, ein Haus gebaut und zwei wunderbare Kinder in die Welt gesetzt. Eigentlich das, wovon jeder Mann träumt. Leider hat mich im Oktober 2014 die Realität eingeholt. Ehe zerbrochen, riesiges Heimweh gehabt und das Gefühl, im Süden nicht richtig angekommen zu sein. Das ist die Kurzfassung meiner Geschichte. 

Nach der Trennung habe ich mich entschlossen, meine Zelte in Süddeutschland abzubrechen. Seit Mai 2015 lebe ich nun wieder in meiner Heimat in der Nähe von Köln (ganz nebenbei meine absolute Lieblingsstadt). Frei nach dem Motto „back to the roots“ habe ich mich für meine Heimat entschieden und bin dafür das Risiko eingegangen, meine Kinder nicht mehr in regelmäßigen Abständen zu sehen. 

Weihnachten alleine in der Wohnung 

Manche fragen sich jetzt bestimmt: Was stimmt mit dem nicht? Er lässt seine Kinder in Bayern und haut von der Verantwortung ab. Diese Gedanken kann ich nachvollziehen, aber ich teile sie nicht. Jeder, der diese Geschichte und Gefühle nicht mitgemacht hat, kann sich nicht vorstellen, wie man zu einem solchen Schritt kommt. 

Wer aber Weihnachten, zwei Monate nach der Trennung, plötzlich alleine in einer  Wohnung, ohne Kinder, ohne Familie und Freunde verbringt und der einzige „Freund“ eine Flasche Rotwein ist – dabei mag ich gar kein Rotwein – der fängt an, sich Gedanken zu machen. Was machen die Kinder jetzt? Denken Sie gerade an Papa? Dürfen Sie überhaupt an Papa denken? Letztes Jahr haben wir doch noch als Familie gemeinsam Weihnachten gefeiert! 

Keine Nachricht auf dem Handy 

Man starrt auf das Handy – nichts. Kein Anruf, keine Mitteilung mit „Wir wünschen dir frohe Weihnachten, Papa“.  Je länger der Heiligabend dauert, desto weniger ist noch in der Flasche  (und ich mag immer noch keinen Rotwein). Aber auch mehr Gedanken gehen durch meinen Kopf. Ist das das Leben, was du möchtest? Möchtest du wirklich jedes Weihnachtsfest so verbringen? Besteht die Gefahr, abhängig von Genussmitteln zu werden? Oder irgendwann ganz alleine, mit Erinnerungen, die dich verletzen oder sogar zermürben? 

Wie kann ich weiterhin ein guter Vater sein? 

Fakt ist, du kannst die Situation nicht verändern oder die Trennung rückgängig machen. Was du aber machen kannst ist, Lösungen zu suchen, um dein Leben und das deiner Kinder zu gestalten, damit alle davon profitieren. Also machte ich mir eine Auflistung mit Pro und Contras: Was hält mich hier im tiefsten bayerischen Wald und was nicht? Womit kann ich gewissenhaft leben? Wie kann ich weiterhin ein guter Vater für meine Kinder sein? 

Nach einem bewegten, emotionalen und tiefgründigen Heiligabend im Jahr 2014 – ich habe übrigens knapp die Hälfte des Rotweins weggeschüttet – hatte ich meine Pro- und Contra-Liste fertig. Ich glaube es war so gegen 23:52 Uhr, als ich zum Entschluss gekommen bin: ich packe morgen meine Sachen und fahre in die Heimat – zu meiner Familie und zu meinen Freunden. 

Gesagt getan, am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg Richtung Köln. Nach fünf Stunden Fahrt endlich angekommen, freute ich mich erstmal auf Ruhe. Daraus wurde aber leider nichts, denn kaum am Elternhaus angekommen, sah ich schon zig Autos auf dem Hof stehen. Okay hier ist was los, ruhig wird es wohl erstmal nicht, dachte ich. 

Ich trenne mich und meine Großeltern feiern Goldene Hochzeit 

Dann fiel es mir wieder ein, heute am ersten Weihnachtstag vor genau 50 Jahren haben meine Großeltern geheiratet – also haben die beiden heute Ihre „Goldene Hochzeit“. Durch die ganzen Ereignisse, die sich in den letzten Wochen in meinem Leben abgespielt hatten, hatte ich dieses freudige Ereignis zur Seite geschoben. 

Jetzt fing es an bei mir zu rattern. Gedanken kreisten im Kopf: Wie schaffen es meine Großeltern 50 Jahre verheiratet zu bleiben? Warum schaffe ich das nicht? Was machst du jetzt bloß, gehst du da rein und verdirbst allen die gute Laune und Geselligkeit? Springst du über deinen Schatten und machst gute Miene zum bösen Spiel? Versuchst du unsichtbar zu sein und gehst allen unangenehmen Fragen aus dem Weg? Fragen über Fragen schwirrten durch meinen Kopf, aber da meine Großeltern mir sehr am Herzen liegen, habe ich mich erstmal kurz ausgeruht und mich dann ins Getümmel gewagt. 

Es war ein harmonischer Tag, meine Großeltern haben sich sehr über meinem Überraschungsbesuch gefreut und es kamen keine Fragen, es wurde gelacht, gefeiert und alte Anekdoten herausgeholt. Im Nachhinein war es für mich eine wichtige Erkenntnis zu spüren, was es bedeutet eine Familie hinter sich zu haben. Am zweiten Weihnachtstag ging es dann zu einem guten Freund auf dessen Geburtstagsparty. Auch dort wurde ich nicht mitleidig von meinen Freunden bedauert, ganz im Gegenteil. Wir haben gefeiert und getanzt bis in die Morgenstunden. Für mich war das wie Balsam auf meiner Seele. Zum Einen zu wissen, dass ich Freunde habe, die zu mir stehen und zum anderen, zu spüren, dass das Leben auch für mich weitergeht. 

Arbeiten an der Zukunft 

Also habe ich die nächsten Tage genutzt, um an meiner Zukunft zu arbeiten. Habe mir Ratschläge und Meinungen von Familienangehörigen und Freunden angehört, um mir ein Gerüst zu bilden für meine Entscheidung. Nach sechs Tagen „Heimaturlaub“ habe ich mich wieder auf den Weg Richtung Bayern gemacht. 

Kaum angekommen, habe ich versucht, Kontakt mit meinen Kindern aufzunehmen. Leider wie an Weihnachten wieder ohne Erfolg. Kein „ich wünsche euch ein frohes und gesundes neues Jahr“ oder dergleichen. Zuerst fühlte sich das wie ein Rückschlag an und wie einen Schlag ins Gesicht. Falle ich jetzt wieder ins alte Muster? Verbittere und hadere mit mir selbst? 

Nein, ich machte mir weiter Gedanken, habe mich mit verschiedenen Szenarien befasst und kam zu Entschluss: Für mich geht es zurück in die Heimat.  Jetzt fing das ganze Organisatorische an. Jobwechsel, Wohnungssuche, die geringe Zeit mit den Kindern (Besuchs-Rhythmus nur alle zwei Wochenenden) ausgiebig nutzen und genießen. 

Viel Hilfe von den Freunden 

Schnell hatte ich im Job Gewissheit und Sicherheit und konnte so meinen Umzug für Ende April planen. Dank der Hilfe meiner Freunde und Familie – sie sind 680 km zu mir gefahren – um den LKW und Autos vollzupacken. Und dann wieder zur neuen Wohnung 680 km zurück Richtung Köln:  das sind Freunde, auf die man sich verlassen kann. 

Ich hatte das große Glück, dass ich zumindest diesmal meine Kinder mitnehmen konnte, um ihnen die neue Wohnung und mein neues Zuhause zu zeigen. Wir haben gemeinsam die Wände gestrichen, geputzt und dekoriert – das war für uns drei ein sehr schönes Erlebnis und hat uns sehr zusammengeschweißt. Aber auch diese Zeit verging und ich musste die beiden wieder zu ihrer Mutter bringen. 

Einfach war es nicht 

Ich muss ehrlich sagen, die erste Zeit ohne Kinder und dazu noch diese Entfernung waren sehr schwer für mich. Ich habe mich durch die Arbeit und Sport abgelenkt. Die erste Zeit haben die Kinder und ich fast täglich telefoniert oder geskypt, doch irgendwann wurde es immer weniger. Es gab Tage, da saß ich in meiner Wohnung und habe keinen Fuß vor die Türe gesetzt. Hab TV geschaut oder mir Gedanken über die Arbeit gemacht. Immer das gleiche Schema, Arbeit, Sport, Schlafen – Tag für Tag. 

Negatives Gedankenkarussell  

Es kam mir öfters der Gedanke, ob dieser Schritt tatsächlich der richtige war. Hast du jetzt total versagt? Je mehr ich diesen Gedanken Einfluss auf mein Leben erlaubte, umso negativer wurde ich. Also begann ich, zu meiner Entscheidung zu stehen und fing an, das Positive zu sehen. Ich merke von Tag zu Tag, dass ich freier und lebensfroher wurde. Ich begann, die Zeit mit den Kindern noch mehr zu genießen, unternahm viel mit ihnen wenn wir uns sahen  – schwimmen, radfahren, Fußball und vieles mehr. 

Jetzt gehen beide in die Schule, ich sehe sie immer in den Ferien, dann für zwei bis drei Wochen oder auch mal Wochen am Stück.  Wenn mal ein längerer Zeitraum dazwischen liegt, besuche ich die beiden. Oft gemeinsam mit meiner neuen Partnerin – wir machen dann Radtouren, gehen schwimmen oder in den Freizeitpark. 

Das Vermissen hört nicht auf 

Klar gibt es Tage, an denen ich meine Kinder sehr vermisse. Meist vor allem dann, wenn die Kommunikation mal wieder schwierig ist und ich die beiden tagelang nicht erreichen kann. Ja, es gibt manchmal auch Tage, an denen ich es bereue, nicht in ihrer Nähe sein zu können. Ich glaube, das ist ganz normal und verständlich. 

Dennoch kann ich heute mit Stolz auf meine Entscheidung zurück blicken. Ich habe einen engen und sehr guten Draht zu meinen Kindern, ich bin für die beiden jederzeit da, egal wann und wo. Die Kinder sind gerne bei mir und akzeptieren meine neue Partnerin und alles, was dazu gehört. 

Ich kann aus Erfahrung sagen, dass ich trotz der Entfernung ein guter Vater bin und im Sinne meiner Kinder handele. Wer selbst in einer schwierigen Lebensphase steckt, sollte nicht immer nur vom Negativen oder Schlechten ausgehen.
Alles, was man ausstrahlt und anderen zufügt,  bekommt man irgendwann zurück. 

 

Foto: Jörg Kleinschmidt/pixelio.de

 

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