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Mutter, 37, alleinerziehend – und Thriller-Bestseller-Autorin

Mutter, 37, alleinerziehend – und Thriller-Bestseller-Autorin

28.10.2019. 10:47
(Kommentare: 1)

Am Wochenende war ich auf einer sehr inspirierenden Rednernacht für Frauen. Und die letzte von 12 Speakerinnen, die an diesem Abend die Bühne im Alten Pfandhaus der Kölner Südstadt gerockt hat, war die deutsche Schriftstellerin Romy Hausmann. Ihr Thriller-Debut „Liebes Kind“ ist Spiegel-Bestseller und hat dieses Jahr im Buchhandel eingeschlagen wie eine Bombe. In ihrem Vortrag hat Romy erzählt, wie sie 17 Manuskripte lang auf diesen Erfolg hingearbeitet hat, wie das als Alleinerziehende geklappt hat und warum sie an manchen Tagen nicht wusste, wie sie ihre Miete bezahlen sollte.

Auch wenn ich persönlich überhaupt kein Thriller-Fan bin: Romys Rede am Samstag auf dem „Geile-Uschi-Kongress“ in Köln (ja, die Veranstaltung heißt wirklich so) hat mich sehr bewegt. Die 37-Jährige hat vor rund 250 Frauen ihre persönliche Geschichte erzählt: Wie sie vor Jahren anfing fürs Fernsehen zu arbeiten, und das ziemlich erfolgreich. Bereits mit 24 Jahren war sie Redaktionsleiterin bei einer Münchner Fernsehproduktion.

Erst TV-Frau, dann Schriftstellerin

Irgendwann wurde sie schwanger – und alleinerziehend. „Mein Baby war unglaublich süß – und gleichzeitig unglaublich langweilig. Ich wusste nichts mehr mit mir und meinen Tagen anzufangen. Mein Sohn hat so viel geschlafen, dass ich jeden Tag schon um 11 Uhr mit dem Haushalt und meinen Plänen für den Tag fertig war“, erzählte Romy auf der Bühne. 

Schon lange hatte sie den Wunsch in sich verspürt, endlich mal einen längeren Text zu schreiben. Und insgesamt ihr Leben zu verändern. Denn die bunte schillernde Fernsehwelt hatte sie dauerhaft nicht wirklich glücklich gemacht. Romy Hausmann veröffentlichte also  einen Frauenroman – leider ziemlich erfolglos. „Ich hätte es wissen müssen, als ich sah, dass der Verlag das Cover meines Buches in Klopapier-Optik gestaltet hatte“, sagte Romy auf der Bühne.

Zuerst: Ein Buchflop nach dem anderen

Auch ihr nächster Frauenroman floppte. Romy war ratlos. „Hör doch auf mit dem Schreiben“, hörte sie von allen Seiten. Ihr Umfeld glaube nicht mehr an Romy, die Schriftstellerin. Und als sie irgendwann Schwierigkeiten hatte, ihre Miete zu bezahlen und ihre Mutter beten musste, für sie einkaufen zu gehen und den Kühlschrank zu füllen, wusste die Alleinerziehende, dass sie jetzt wirklich ein Problem hat.

Und doch hat sie nicht aufgehört mit dem Schreiben. „Dieser eine Text, mein erster Thriller,  musste es noch unbedingt sein. Ich hatte in den letzten Jahren insgesamt 17 Manuskripte geschrieben und mein Leben war inzwischen so vom Schreiben geprägt, dass es gar nicht mehr anders ging. Ich musste einfach weitermachen.“ Und das obwohl sie genau wusste, dass es quasi unmöglich werden würde, nach zwei großen Buchflops noch einen weiteren Buchvertrag von einem renommierten Verlag zu bekommen.

Morgens: Schreiben. Abends: Schreiben. Nachts: Schreiben.  

„Ich stand um 5 Uhr auf um an „Liebes Kind“ zu schreiben. Weckte meinen Sohn dann um 7 Uhr, machte ihn fertig für die Schule und ging meinem Brot-Job nach. Abends wenn mein Sohn im Bett war, setzte ich mich wieder an den Rechner und schrieb weiter.“ Oft bis tief in die Nacht. Der Thriller-Text floss raus aus ihr, er wollte einfach geschrieben werden. Trotz aller Zweifel im Vorfeld fand sich dafür dann auch tatsächlich ein Verlag. Nicht nur das, die großen Häuser rissen sich förmlich um Romys Grusel-Manuskript. Die Autorin konnte am Ende das beste Angebot auswählen.

Und dann kam der Bestseller

Der Inhalt hatte die Lektoren offenbar überzeugt: 

„Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen "Zirkulationsapparat". Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht - und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört.“

Tief berührender Thriller über ein Panorama des Grauens

Romys Buch erschien im Februar dieses Jahres als Spitzentitel bei dtv – wurde mit Lob überschüttet und stieg sofort in die Bestseller-Listen ein. Inhaltlich erinnert mich „Liebes Kind“ stark an den bewegenden Film „Raum“ aus dem Jahre 2015. Ein sehr eindrücklicher Mutter-Sohn-Film mit einer ähnlichen Geschichte. Nichts für schwache Nerven. Und auch Romys Buch wird beschrieben als „ein emotional schockierender und zugleich tief berührenden Thriller, der Stück für Stück das Panorama eines Grauens entrollt, das jegliche menschliche Vorstellungskraft übersteigt.“ 

„Ich kann euch nicht sagen, wie man weitermacht, wie man nicht aufgibt“, sagte Romy auf der Bühne Samstagnacht im Alten Pfandhaus. „Ich habe es einfach gemacht, weil ich in diesem Moment nicht anders konnte.“ Und weil sie tief in sich wohl doch an sich und ihre Texte geglaubt hat. Trotz der vielen Rückschläge.

Romy könnte eine deutsche J.K. Rowling sein

Romys Geschichte ähnelt der von J.K. Rowling. Auch die Harry-Potter-Autorin war alleinerziehend, auch ihre Bücher wurden anfangs mehrfach abgelehnt. Auch bei ihr kam der Erfolg nicht über Nacht. Beide Mütter haben gezeigt wie es gelingen kann, sich von Niederlagen, von Misserfolg,  von langen Durststrecken und vom Leben nicht umwerfen zu lassen. Auch wenn das viel Kraft, Mühe und Nerven gekostet hat. 

Auf dem lesenswerten Blog myMonk.de über Persönlichkeitsentwicklung, für den Romy Hausmann seit 2016 als Autorin tätig ist, hat sie über sich selbst geschrieben: 

"Bis vor einigen Jahren habe ich meinen Traum vom „großen Leben“ gelebt: In der Großstadt, als Redaktionsleiterin bei einer Fernsehproduktion, mit Gucci-Handtasche am Handgelenk, mit spitzen Ellenbogen, immer busy, mächtig wichtig (gefühlt) und – tja, irgendwie nie so richtig glücklich. Es lief. Nur leider ziemlich an mir vorbei und gleichzeitig sehr gezielt in Richtung Burn-Out. 

Erst mit der Schwangerschaft und der Geburt meines Sohnes wurden meine Prioritäten ordentlich durchgerüttelt. Und nicht nur die. Plötzlich war da eine andere Idee vom Leben. Von einem Leben, in dem es mir gutgehen durfte, in dem Glück nicht Gucci bedeutete, in dem nicht derjenige der Beste war, der die meisten Überstunden angesammelt oder die besten Quoten erzielt hat. Ein Leben, in dem ich – für meinen Sohn, aber auch für mich selbst – nicht mehr so „fake“ sein wollte. In dieser Zeit begann ich mit dem Schreiben und fand darin eine völlig neue Welt für mich. 

Es brauchte zwar einige Jahre, einiges an Kraft und auch ein paar Rückschläge, aber inzwischen kann ich von mir sagen, dass ich mein persönliches „besseres“ Leben gefunden habe. Zusammen mit meinem Sohn lebe ich nun auf dem Land, genauer gesagt: In einem kleinen Häuschen mitten im Wald. Ich hacke Holz, baue Gemüse an, schreibe Geschichten – und bin deutlich erfüllter. Fürs Fernsehen arbeite ich immer noch bisweilen, allerdings sehr viel reduzierter als früher. Meine Freiberuflichkeit verschafft mir dabei Raum und Zeit. Um zu atmen. Um meinen Sohn aufwachsen zu sehen.“ 

Wer mehr von Romy lesen will, findet hier ihre Texte auf my Monk. „Liebes Kind“ hat inzwischen mehr als 400 Bewertungen bei Amazon und ist für 15,90 im Buchhandel erhältlich. 

Alles Gute für deinen weiteren Weg Romy – und für alle anderen getrennterziehenden Mütter und Väter mit großen Plänen, Träumen und Gedanken. 

Foto: dtv/Astrid Eckert 

 

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Kommentar von Sarah |

Liebe Christina,

sehr schönes Portait von Romy Hausmann und schöne Zusammenfassung ihres super Vortrags beim „Geile Uschi-Kongress“ (was für ein Name...).

Ich habe tatsächlich heute in meinem Blog auch zum Kongress geschrieben (https://mutter-und-sohn.blog/2019/10/28/150-geile-uschis-frauenpower-beim-ersten-geile-uschi-kongress-in-koeln/). War definitiv auch wegen der anderen 11 Rednerinnen einen Besuch wert!:-)

Herzlichen Gruß
Sarah

Antwort von Christina Rinkl

Danke dir Sarah. Dein Artikel fasst den Abend perfekt zusammen.

Ich habe hier auch noch einmal ausführlich über den Kongress berichtet: https://mamachillt.com/2019/10/28/uschi/

Es war eine inspirierende Veranstaltung, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Herzliche Uschi-Grüße,

Christina

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Wie kriegt man das gut hin - als Mutter oder Vater getrennt mit Kind? Wie lässt sich diese besondere Lebenssituation in etwas Positives verwandeln? Und wie schafft man es, sich selbst dabei nicht völlig zu vergessen? Genau darüber hat meine Blogger-Kollegin Silke ein sehr schönes Buch geschrieben. "Gut leben als Alleinerziehende - Schritt für Schritt-Anleitung in dein selbstbestimmtes und gutes Leben" ist der Titel.  Warum das gerade erschienene E-Book nicht nur für Trennungseltern lesenswert ist, steht hier: 

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Heute erscheint ein Buch, das ich in den letzten Tagen schon vorab lesen durfte und regelrecht verschlungen habe. Caroline Rosales ist 36, Redakteurin in Berlin und alleinerziehende Mutter zweier kleiner Kinder. Über ihre Trennung und die erste Zeit danach hat sie ein sehr persönliches Buch geschrieben. An vielen Stellen habe ich beim Lesen gedacht: Jawoll. Genau so ist es. Zum Beispiel bei diesen Textpassagen hier:

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