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Meine Auszeit im Kloster - Teil 1

Meine Auszeit im Kloster - Teil 1

21.07.2019. 16:22
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Du gehst wohin? Ins Kloster? Aha. Und wieso? Was machst du denn da? So ungefähr hörten sich die Reaktionen an, als ich Freunden und Bekannten erzählt habe, wie ich in meine kinderfreie Zeit in den Sommerferien vorhabe. Irritation. Belustigung. Und immer wieder leichtes Stirnrunzeln. Inzwischen bin ich zurück aus Kloster Ehrenstein – und kann sagen, dass die Tage dort für mich wirklich sehr besonders waren.

So war die Klosterwoche 

„ … und dann geschehen Wunder.“ So lautete der Titel des Seminars für alleinerziehende Mütter. Veranstaltet wurde die Klosterwoche von der Alleinerziehendenpastoral des Erbistums Köln in Verbindung mit der Beratungsstelle für Ehe-, Familie- und Lebensfragen in Köln-Porz. Ich habe unter anderem hier und hier schon einmal über die Seminare für Alleinerziehende vom Erzbistum berichtet. 

Tag 1: Ankommen 

Schwester Therese öffnet mir die Tür und begrüßt mich freundlich. Für das Gepäck gibt es einen modernen Aufzug im Kloster. Überhaupt ist alles hier sehr hell, freundlich und sauber. Auch mein Zimmer. Ein Schrank, ein Bett und darüber ein Holzkreuz. Das Waschbecken versteckt sich im zweiten Schrank, Toilette und Dusche sind auf dem Gang. Na gut. Das wird schon gehen für die paar Tage. Einen Fernseher gibt es nicht, dafür aber viel Wald und Natur um das Kloster herum und einen wunderschönen weitläufigen Garten mit Bänken, Kräutern, Blumen und einer riesigen Buche. 

Nach dem ersten Kaffeetrinken geht es los. Wir sind 11 Teilnehmerinnen, zwei befreundete Referentinnen leiten das Seminar. Wir beschnuppern uns. Und sind insgeheim schon etwas  gespannt und aufgeregt: Was wird uns erwarten? Wie wird unsere Zeit werden, hier im Kloster?

Unter freiem Himmel geht es los 

Für die Vorstellungsrunde geht es raus in den Klostergarten. Wie geht es uns gerade? Wo kommen wir her? Was konnten wir gut zu Hause lassen und was nicht? Welches Wunder oder schöne Erlebnis fällt uns ein, wenn wir an unsere Kindheit denken? 

Schon am ersten Tag wird mir klar: Meine Zeit wird gut hier. Das Kloster ist ein ganz besonderer Ort und Gruppe und Leiterinnen sind sympathisch. Genau wie der rote Klosterkater Franziskus, der hier ständig rein und raus spaziert. Den Abend haben wir zur freien Verfügung. Zum Auspacken, durchatmen und richtig ankommen. Im Kloster und bei uns selbst.

Tag 2: Erkunden

Um Punkt 8 Uhr läuten die Glocken. Ein Wecker ist unnötig im Kloster. Nach dem Frühstück um kurz nach 9 starten wir gemeinsam in den Tag mit einem Klangschalen-Gong und einem Morgen-Impuls im Klostergarten. Das Gras ist noch nass, der Wind noch etwas kühl. Die Sonne hat es noch nicht bis ins Tal des Klosters geschafft.

Unser Thema heute: „Meinen eigenen Weg gehen“. Dazu hören wir einen Text und suchen uns später eine Karte mit einem bestimmten Motiv aus. Ich wähle einen Surfer auf einer Welle im Meer. Die anderen entscheiden sich für eine Spirale, einen jungen Fuchs oder einen Wanderer mit Bergstiefeln. In Kleingruppen sprechen wir über unsere Motive, Bild-Assoziationen und die der anderen. 

Schweigen – ja oder nein?

Das große Gruppenthema heute: Schweigen wir bei unseren Mahlzeiten oder nicht? Der Hintergrund: Unser Speiseraum ist klein und schmal und wenn 13 Frauen durcheinander reden, dröhnt das mitunter ziemlich doll in den Ohren. Wir diskutieren: Wollen wir schweigen oder nicht? Manche wollen, andere nicht, wieder andere wenn dann nur mit Hintergrundmusik.

Beschluss: Wir probieren es aus. Ein schweigendes Mittagessen mit Meditationsmusik.

Apfelmassage für unsere Rücken

Auch am Nachmittag bleibt es ruhig. Im Klostergarten lernen wir, dass Äpfel nicht nur lecker schmecken, sondern sich auch gut für eine Rückenmassage eignen. Es geht um die Themen annehmen und beschenkt werden. Und wieder um das zur Ruhe kommen in sich selbst.

Es geht weiter mit privaten Fragen an uns: Was ist das Gelungene an meinem Leben und an meiner Person? Was sind die Ressourcen in mir und in meinem Leben? Welche Veränderungswünsche habe ich? Und was ist meine Vision von mir und von meinem Leben?

Der Abend ist frei, ohne Programm. Mir gefällt diese Mischung von ausreichend Zeit für mich selbst und Austausch in der Gruppe.

Das Fazit zum Essen: Manche aus der Gruppe fanden das Schweigen toll, andere fanden es beängstigend. Unser Kompromiss: Wir reden künftig leise bei unseren Mahlzeiten. Ohne Musik. Es klappt. Wenn sich alle bemühen, ist die Akustik im Speisesaal in Ordnung und der Austausch untereinander auch.   

Tag 3: Die Stimme erheben

Am dritten Tag bekommen wir nach dem Frühstück Männerbesuch. Peter Faller-Lubczyk ist Kirchenmusiker, Organist, Chorleiter und Rockmusiker in der Beat-Band „The Mrs. Great“ aus Grevenbroich. Heute will er uns dabei helfen, unseren eigenen Klang und unsere Stimme zu finden.

Der erfahrene Musiker gibt beim Blick in unsere Frauenrunde zu, dass er „ein klein wenig aufgeregt ist“. Doch nach den ersten Tönen auf dem Keyboard ist bei ihm und uns jegliche Nervosität verflogen.

Singen mit Regenschirm im Bauch

Peter bringt uns viel bei über Atmung, die Stütze im Bauch und den „imaginären Regenschirm“, den wir beim Singen aufspannen dürfen. Wir lernen den lateinischen  Messgesang „Veni sancte spiritus“ und schmettern kurz darauf genau so inbrünstig „Rockin‘ all over the world“ von Status Quo.  Peter steckt uns an mit seiner Leidenschaft für die Musik – und am Ende wollen wir immer weiter singen und unseren Chorleiter gar nicht mehr gehen lassen.

 Jede von uns darf sich ein Lied aus dem Reclam-Liederbuch wünschen. Wir singen gemeinsam „Mr losse dr Dom in Kölle“ von den Bläck Fööss genau so wie „Sailing“ von Rod Stewart. Wir intonieren „Über sieben Brücken musst die gehen“ von Peter Maffay und das Volkslied „Zum Tanze da geht ein Mädel mit güldenem Band“. Zum Abschluss setzen wir an zu „Großer Gott wir loben dich“ – und genau dann ertönen die Glocken der Kapelle. Ein wunderbarer Moment. Genau so wie der gesamte Vormittag mit Peter.   „Warum habe ich eigentlich schon so lange nicht mehr gesungen?“, denke ich mir insgeheim und bin tief berührt von diesem stimmgewaltigen Vormittag.

Obwohl wir 13 Frauen vorher noch nie zusammen gesungen haben, klingt unser privates Konzert in meinen Ohren sehr harmonisch. Einige unter uns sind Kanon-Liebhaberinnen – und motivieren uns immer wieder zum mehrstimmigen Gesang. Wie leicht und beschwingt sich das Leben plötzlich anfühlt. Und wie viel Musik dazu beitragen kann.

Unser Schatz liegt in uns

Und auch der Nachmittag hält weitere besondere Momente für uns bereit. Unsere gesamte Woche steht unter einem Zitat von Henry David Thoreau.  Der amerikanische Schriftsteller und Philosoph war überzeugt: „Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, ist nichts im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder.“

Unsere Referentinnen Theresia Stamm und Lisa Trümper-Loogen haben für uns einen Lebensweg im Klostergarten vorbereitet. In Spiralform, gelegt aus Seilen und bunten Tüchern. Jede von uns darf diesen Weg für sich in ihrem eigenen Tempo gehen und am Ziel in eine sehr persönliche Schatzkiste blicken. Das Motto des Weges:

„Ich will still werden, mich wahrnehmen, meiner Seele Raum geben und sein, wie ich bin.“

Jede von uns darf sich zusätzlich in der Wegesmitte eine Rose von Jericho auswählen, die im Inneren einen Schatz für uns bereit hält.

Ich fühle mich reich beschenkt hier im Kloster – und ganz besonders an diesem Tag. Durch die Musik, die Lebensweg-Übung, die Rose – und durch eine wunderbare Wanderung auf dem Westerwaldsteig, die ich abends nach dem Abendessen noch mit einigen Frauen aus der Gruppe unternehme. Die Natur rund um Kloster Ehrenstein ist wunderschön und perfekt für Spaziergänge und Wanderungen.

Am kommenden Montag lest ihr in meinem zweiten Teil des Berichts, wie es mir im Kloster während der weiteren Tage ergangen ist – und was mein persönliches Fazit dieser Sommerauszeit ist. 

Und welche Auszeit nehmt ihr euch diesen Sommer? Oder kommt ihr gar nicht dazu? Schreibt es mir gerne an info@getrenntmitkind.de oder hier unten in die Kommentare.

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