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Ein Trennungs-Gottesdienst in der Kirche. So etwas gibt’s?

Ein Trennungs-Gottesdienst in der Kirche. So etwas gibt’s?

28.11.2018. 16:14
(Kommentare: 1)

Vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal einen Trennungsgottesdienst  besucht.  Und vorher war ich tatsächlich ziemlich gespannt:

Wie wird das ablaufen in der Herz Jesu-Kirche mitten in Euskirchen?

Wird ein Pfarrer eine Predigt halten?

Werde ich etwas über meine eigene Trennungsgeschichte erzählen müssen?

Begrüßung mit Handschlag

Schon beim Betreten der großen, beeindruckenden Kirche wurde ich sehr freundlich mit Handschlag empfangen. Von Norbert Koch, wie ich später erfuhr. Er ist Referent für Ehepastoral und hat den Gottesdienst gestaltet gemeinsam mit Stadtpfarrei-Diakon Werner Jacobs und Ursula Wiederspahn von der katholischen Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen in Euskirchen. 

Wir waren an diesem Abend also insgesamt zu siebt: Vier Gottesdienst-Besucher und drei Organisatoren. „Kommen Sie doch ein wenig näher, so dass wir uns alle um den Altar herum setzen können.“

In Ordnung. Haben wir gemacht.  

Die Atmosphäre in der Kirche war an diesem Abend sehr besonders. Diakon Werner Jacobs begann den Gottesdienst mit ein paar Klängen auf seiner Gitarre.

„Kirche ist auch und gerade für die Menschen in Krisen da. Bei  Trennungen, Brüchen und Schwierigkeiten, denn kaum ein Lebensweg verläuft immer geradlinig“, so lauteten die einleitenden Worte.

Gemeinsam stellten die Organisatoren uns dann die Themen des Abends vor. An verschiedenen Stellen der Kirche hatten sie sechs Stationen aufgebaut zu den Themen Chaos der Gefühle - Ausgrenzung - Schuld - Halt - Ausblick - Dankbarkeit

Wer wollte, konnte aktiv werden

Dann hatten wir Zeit, jede Station einzeln und nacheinander zu besuchen. Mir ist direkt aufgefallen, mit wie viel Sorgfalt und Liebe zum Detail diese Stationen gestaltet waren. Hübsch dekoriert mit Blumen oder Bauklötzen, die wir beschriften konnten. Beim Thema Schuld gab es „Erbsen zu zählen“ und beim Thema Halt konnten wir das, was uns stark macht an ein Netz aus Wollfäden hängen. In die Vorbereitung haben die Organisatoren  viel Zeit und Mühe investiert – und zum Thema Trennung auch genau die richtigen Themenfelder ausgesucht. An jeder Station konnten wir Besucher selbst aktiv werden, wenn wir wollten. Und zum Beispiel anonym aufschreiben, für was wir unserem Expartner rückblickend dankbar sind.

 Unsere Bitten an Gott

Vor und nach dem Besuch der einzelnen Stationen haben wir am Altar zwei Lieder gesungen. Und dann kam der für mich persönlich bewegendste Moment des Abends.

Jeder von uns wurde eingeladen, am Altar eine Kerze anzuzünden und unsere Bitten oder unseren Dank an Gott vorzutragen.

 Puuhh. Mir wurde sofort klar, dass dieser Moment nicht spurlos an mir vorüber gehen würde.

Und so war es dann auch.

Schon die Bitten der anderen Gottesdienst-Teilnehmer waren sehr berührend.

Und bei meiner eigenen musste ich dann mehrmals schlucken: „Gott, bitte halte deine Hand über uns alle hier und über mein Kind. Auch und gerade in schwierigen Zeiten.“

Ein Segen zum Abschluss

Im Anschluss an den Gottesdienst wurden wir noch zu Tee, Gebäck und einem Gespräch im Stehen eingeladen. Und jeder, der wollte, konnte sich vom Diakon persönlich segnen lassen.  

 „Wie schade, dass offenbar nur so wenige Leute von diesem Angebot der Kirche wissen“, dachte ich während des ganzen Abends und sprach es dann auch an.

 Die Sehnsucht, endlich Frieden zu machen

„Es kommen meist nur wenige Leute in die Trennungsgottesdienste“, so die Beobachtung von Ehe- und Familienberaterin Ursula Wiederspahn. „In einer großen Runde ginge das wahrscheinlich auch gar nicht in dieser Form.“ Sie hat erlebt, dass sich manche Menschen gerade nach einer Trennung von der Kirche abwenden.  „Andere wiederum verspüren die Sehnsucht danach, auch und besonders in diesem Punkt Frieden zu schließen.“ 

„In unserem Zusammenleben gibt es so viele Riten“, ergänzte Pastoral-Referent Norbert Koch. Daher sei es ebenfalls wichtig, eine Ausdrucksform für die Trennung finden. 

Ein Trennungs-Gottesdienst kann zu dieser Ausdrucksform beitragen. Wenn man sich auf diesen atmosphärischen, spirituellen und bewegenden Abend einlassen mag und kann. 

Für mich war es eine besondere Erfahrung, die mir noch länger im Gedächtnis bleiben wird.

 

Für alle Interessierten hier die nächsten Termine:

Verlassen – Getrennt – Geschieden
Stationengottesdienst, Segen und Begegnung für
Menschen in Trennung und Scheidung
Fr. 22.03.19 | 19:30 Uhr
Stiftskirche, Kölnstr. 31, Bonn
Leitung: Norbert Koch, Heidi Ruster, Walter Koll
Information: 0228 98588-67, norbert.koch@katholisch-bonn.de

Fr. 15.11.19 | 18:00 Uhr
Herz-Jesu-Kapelle, Ringstraße 49, Siegburg
Leitung: Elisabeth Reiter, Rita Cosler, N.N.
Musik: Hubert Arnold, Harfe
Informationen: 02241 25542-50,
rita.cosler@erzbistum-koeln.de

Fr. 15.11.19 | 19:00 Uhr
Herz-Jesu-Kirche, Herz-Jesu-Vorplatz, Euskirchen
Leitung: Diakon Werner Jacobs, Norbert Koch,
Ursula Wiederspahn
Information: 0228 9858867, norbert.koch@katholisch-bonn.de

 

Foto: Paul-Georg Meister / pixelio.de

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Kommentar von Sarah |

Liebe Christina,

das klingt tatsächlich nach einem ganz besonderen Angebot! Danke, dass du hier darüber berichtest, ich wusste tatsächlich nicht, dass es diese Art Gottesdienst gibt! Vielleicht wirklich mal einen Besuch wert.

Mich beeindruckt übrigens auch, dass die katholische Kirche inzwischen offensichtlich auch getrennt Lebende und ihre Familien wahrzunehmen beginnt. Früher durften Geschiedene, soweit ich weiß, nicht mal offiziell zur Kommunion gehen. Zum Glück - auch für die Institution der (katholischen) Kirche - wandelt sich da etwas!

Herzlichen Gruß, Sarah

Antwort von Christina Rinkl

Schau mal Sarah, das Erzbistum Köln hat das Thema auf folgender Webseite ganz gut zusammengefasst:

https://www.erzbistum-koeln.de/thema/trennung_und_scheidung/fragen_und_antworten/

Dort steht:

"Die Katholische Kirche sieht, dass es auch in einer sakramental gültigen Ehe zu einem Bruch kommen kann. Sie möchte die Menschen auch in diesen Zeiten begleiten und stützen. Dies geschieht in besonderer Weise in den Katholischen Beratungsstellen für Ehe-, Familien- und Lebensfragen.
Für die katholische Kirche ist eine sakramental gültige und vollzogene Ehe unauflöslich. Eine Trennung wird aber im äußersten Fall als ein möglicher Weg akzeptiert. Auch wenn sich Getrenntlebende und Geschiedene in der Kirche leider häufig ausgeschlossen fühlen, Sie sind im kirchenrechtlichen Sinne nicht "exkommuniziert".
Sie bleiben auch nach der Trennung bzw. Scheidung volles Mitglied der Kirche und damit ihrer Gemeinde und dürfen auch weiterhin die Sakramente empfangen."

Und speziell zum Thema Kommunion steht dort:

"An der Eucharistiefeier dürfen und sollen alle katholischen Christen teilnehmen, auch Getrennte oder Geschiedene, auch die wiederverheiratet Geschiedenen. Getrennte oder Geschiedene sind - solange sie nicht in einer neuen Verbindung leben und natürlich in rechter Weise auf den Empfang vorbereitet sind - eingeladen zur Kommunion zu gehen. Derzeit wird über einen sensiblen und differenzierten Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen auf weltkirchlicher Ebene wie in den Diõzesen Deutschlands diskutiert. Obwohl hierzu derzeit von verschiedenen Seiten gute Argumente vorgetragen werden, geht Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki weder davon aus, dass das Thema kirchenrechtlich entschieden noch der Gewissensentscheidung des Gläubigen allein vorbehalten werden kann. Für die persönlich schwierige Lebenssituation eines wiederverheirateten Geschiedenen sollte im Gespräch mit dem Beichtvater eine Lösung gesucht werden. "In der Kirche hat es immer eine Praxis der Barmherzigkeit gegeben, die nicht auf dem öffentlichen Markt verhandelt wurde", so Kardinal Woelki."

Interessantes Thema, oder?

Danke für deinen Kommentar.

Christina

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